PRESSESPIEGEL


Arena-Festival der jungen Künste, Festivalzeitung, Juli 2012

Pappelapapp

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Phantasiewelten aus Pappe


Die Künstlerin Ulrike Kley vom Amai-Figurentheater erschafft mit 
Pappkartons und künstlerischer Rafinesse bunteste Fantasiewelten. 
Ein Karton ist ein Karton ist ein Karton. Oder etwa nicht? Das Stück 
Pappelapapp zeigt das Gegenteil: Es zeigt, welch großartige Welten 
sich mit träumerischem Gespür entfalten. Mit Pappkartons 
unterschiedlichen Formates werden Pappdrachen, Papptiger und 
andere Wesen dargestellt. Die Besonderheit zeigt sich dabei im Detail.
Die Kartons sind so vielfältig einsetzbar, was auch an der klugen 
Präparation liegt. Wenn man denkt, alle Möglichkeiten des Karton 
seien erschöpft, zaubert Ulrike Kley noch ein Deutungsangebot aus 
dem Hut oder besser: aus der Pappschachtel.
Das Ende der Inszenierung ist schließlich die Rückkehr in die Realität 
und gleichzeitig der Höhepunkt der Abstraktion: Denn eine 
Pappschachtel ist eben auch eine Pappschachtel, mal viel mehr, mal 
weniger.
Musik und Lichtstimmung runden die Performance soweit ab, dass 
selbst erwachsene Besucher voll auf ihre Kosten kommen. Man bleibt 
dort zurück zwischen kindlicher Faszination und gerührtem Staunen. 
Sogar eine Liebesgeschichte zwischen zwei Kartonwesen wird 
angeboten,die sich letztendlich auflöst in eine große Gemeinschaft aus
der Ulrike Kley dann als Künstlerin wieder heraustritt aus der Welt, 
die auch sie gefangen zu nehmen scheint während der 45-minütigen 
Inszenierung, so konzentriert, wie sie spielt.


Junge Kritik, Wien

Schneeweisschen und Rosenrot

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Ein Frosch ist ein Bär ist ein Fisch

Schneeweisschen und Rosenrot – Amai Figurentheater/Berlin /// WUK /// Theresa Luise Gindlstrasser ///

Und ein Fisch ist ein Prinz, ist ein Bär, ist ne Puppe und lebt. Irgendwie. Lebt vor allem durch die Schauspielerin und Puppenspielerin und Alles-Macherin Ulrike Kley. Denn die ist in diesem Stück Theater für Menschen ab 6 Jahren zuständig für alles und alle und allein verantwortlich für all die Kussszenen die am Ende dann den Prinzen machen. Irgendwie.

Dem Märchen von Schneeweisschen und Rosenrot – zwei Schwestern,
einander gut gesinnt, kümmern sich im Winter um den Bären, später um
einen Zwerg der sich als Gegenspieler des Bären entpuppt der sich
wiederum als Prinz mit Gold und Heirat entpuppt – wird hier eine spielerische
Metadiskussion vorangestellt. Eine Frau/ein Mädchen überlegt auf offener
Bühne was denn eine Prinzessin sei und was diese ausmache und ob sie
eine sein könnte und ob ein schöner Prinz nur zu einer schönen Prinzessin
gehört. Ulrike Kley lässt sich nie von Zwischenrufen irritieren und zeigt das
Märchen als Überlegung in Sachen Identität. Indem sie alle Rollen des
Märchens, das dann unvermutet als Erzählung beginnt, selbst in die Hände nimmt, wischt sie Rollenklischees einfach so mal schnell weg.

Mit wenigen, stets neu durch Behauptungen und Behandlungen veränderten, Requisiten und Kostümen erzählt sich die Geschichte von Schneeweisschen und Rosenrot als eine Geschichte des Ungefähren, Unkomplizierten und Unernsten. So wie die Dinge auf der Bühne stets in Resignifikation begriffen sind, sind auch die Figuren einem steten Prozess ausgesetzt. Der Wechsel zwischen Erzählung und Aktion unterstreicht dies nicht nur, sondern ist überaus gut gelungen.

Regie/Szenographie: Kristina Feix, Spiel/Ausstattung: Ulrike Kley, Musikalische Einrichtung: Taichi Kanayama, Schlusslied: Dara Feix/Jule Fröhlich, Zwergentraining: Mo Bunte

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Puppen, Menschen und Objekte, Nr.98

Die Queen

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„Das Bühnenbild: Ein Rollwagen samt Wein und Weintrauben, zwei Geleehasen am Bühnenrand. Dazu eine sehr interessante Grundidee: eine Spielerin in einem wundervollen, mächtigen roten Kleid, zwei Arme einer Schaufensterpuppe sichtbar, die eigenen Arme zunächst verdeckt. Das Spiel durchgehend ohne Worte, die „Queen“-Puppe mit einer Aura des Morbiden, die Darstellung sehr getragen. Das Auge liest fasziniert die ungewohnten Bilder, die entstehen durch die zunächst verdeckt agierenden Hände, die das Kleid der Queen nach eigenen Gesetzen, wie von ihr losgelöst zu bewegen scheinen. Später werden die Arme der Spielerin offen gespielt, sodass der Zuschauer dem Experiment „4 Hände“ folgen kann. Immer wieder wirkt die „Queen“ wie manipuliert, ferngelenkt durch die eigenen Arme.

Worum geht es in dem Stück? Geht es um etwas? Das blieb für mich ungeklärt, aber es machte nichts. Was ich allerdings ein wenig bedauerte: Dass diese doch sehr geniale Grundidee nicht weiter ausgelotet wurde in ihren Spielmöglichkeiten. Oder andersherum gesagt: es hätte mich gereizt, noch mehr zu sehen… Ulrike Kley überzeugte durch eine wundervolle atmosphärische Dichte.


Ludwigsburger Kreiszeitung

Zwiegestalten

(…) “Mit Ulrike Kley stellt sich nun eine Künstlerin vor, die nach dem Diplom am Studiengang Figurentheater der Stuttgarter Hochschule, das sie 2008 erwarb, ihre erste eigene Produktion auf die Bühne bringt. Es ist eine eigenwillige Produktion, verwebt sie doch darin ihre beiden Kompetenzbereiche, das Figurentheater und den japanischen Butohtanz. Neben ihren Bewegungen, nach Art des japanischen Traditionstanzes Butoh langsam und gemessen, beschäftigt sie sich mit einer Gliederpuppe, fast so groß wie sie. Morbid sieht dieses Teil aus und die Performance befasst sich mit der Wiederentdeckung und Wiedererweckung dieser Puppe. Stück für Stück scheinen Tänzerin und Figur zu verwachsen, bis sie Arm in Arm aus dem Saal tanzen. Eine gelungene, eine beeindruckende Vorführung, deren Dramaturgie viele Überraschungen bietet. Für den Sound sorgt dabei die Italienerin Ezramo. Über die meiste Zeit sind die teilweise ungewohnten Klänge zwar nicht auf das Bühnengeschehen fokussiert, passen sich aber, wenn auch widerborstig an.“ (…) 


Stuttgarter Zeitung, 23.11.2009

L’opéra de la lune

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Da berichtet die Frau im Mond (Ulrike Kley), hoch im weißen Rund aus Fallschirmstoff baumelnd, vom Meer der Heiterkeit, Ruhe oder Erkenntnis. Da intoniert eine Sängerin (Myra Pienaar) mit grandioser Band Préverts Texte und Wedlichs lyrische, rockige und jazzige Kompositionen über Mondsucht, Liebe und Leben. Da feiern seltsame Wesen in gold glitzernden Kostümen auf dem Mond eine Party. Indes gehen Menschen wie Roboter mechanisch ihren Beschäftigungen nach. Es ist eine fantastische Welt, die Jetzky, Wedlich und Schopf entstehen lassen. Gut gespielt, bilderreich, humorvoll und tiefgehend regt sie an, über die Zeichen der Zeit nachzudenken. (...)


Leipziger Zeitung, 03.08.2008

Eden Games

(…) “Eden Games“, ein Diplomprojekt der Kunsthochschule Stuttgart, wird tatsächlich von einer klassischen Marionette eröffnet. Dies bleibt jedoch das einzige Zugeständnis an die Puppen-Theater-Tradition, im folgenden geht es rasant modern und sehr körperlich zur Sache.

Zwei Wesen werden geboren, in die Welt geworfen eher. Aus der Erde das eine, aus dem sinnbildlichen Urschoß das andere. Es entspinnt sich ein Geflecht ineinander verwobenen Metaphern um Schöpfung und Zerstörung, Versuchung und Berufung, Annährung und Angst vor dem Fremden. Das Ganze ist humor-und effektvoll in Szene gesetzt und von den beiden Protagonistinnen Ulrike Kley und Claudia Sill expressiv gespielt-eigentlich ist „Eden Games“ eine Tanztheaterproduktion.

Doch über Begrifflichkeiten nachzudenken, ist keine Zeit-zu turbulent das Geschehen auf der Bühne, zu dicht die Abfolge der dramaturgischen Ideen. Die meisten Zuschauer suchen wohl vergeblich nach den Schlüssen für die meisten Symbolismen, wahrscheinlich gibt es oft gar keinen. Das tut dem Spaß an einem fantasievollen Spiel mit den großen Gattungs-Mysterien keinen Abbruch. (…)